Chronik

Als OSR Dir. Johann Kupka 1946 aus der Kriegsgefangenenschaft heimkehrte, sprachen ihn zwei Burschen an, er möge ihnen doch Unterricht in Blasinstrumenten geben. Das war im Herbst 1946, ein Flügelhornist und ein Klarinettist wurden ausgebildet. Bereits zu Weihnachten konnte aufgetreten werden, vom Kirchenturm erscholl das Lied "Stille Nacht, heilige Nacht" und die Kirchgänger erfreuten sich sehr am Bläserklang. Die Bläsergruppe war inzwischen größer geworden und auf sieben Mann angewachsen. Es waren das die Flügelhornisten Fritz Hochleitner, Rudolf Datler und Fritz Gföller, die Baßflügelhornisten Dir. Kupka und Ernst Ferstl, weiters Vater Garschall mit dem Es-Baß und sein Sohn Josef mit der Klarinette. Das war der Beginn der Musikkapelle Scheideldorf.

Gleich nach dem Turmblasen meldeten sich die Trompeter Viktor Etzler und Albert Berndl. Die Kapelle vergrößerte sich im weiteren Verlauf, sie erreichte einen Stand von 18 Musikern, der annähernd gehalten werden konnte. Sämtliche Ausbildungsarbeit hat in völlig uneigenütziger Weise OSR Kupka geleistet, der für seine Kapelle im Lauf der letzten drei Jahrzente an die dreißig Musiker herangebildet hat.

OSR Johann Kupka ist gebürtiger Weinviertler und stammt aus Neudorf bei Staatz. Sein Vater Wenzel Kupka war dort Organist und erteilte Unterricht auf verdschiedensten Instrumenten. Johann Kupka finden wird bereits mit 10 Jahren musikalisch tätig. Er beherrscht Orgel, Klavier, hat später Akkordeon gelernt, ist Violin- und Viola-Spieler und spielt sämtliche Blechblasinstrumente, er ist also ein sehr vielseitiger und begabter Musiker. Das stellte er schon in seiner Studienzeit unter Beweis, er gab Musikunterricht, leitete das Salonorchester der Stundenten in Laa und ab etwa 1930 finden wir ihn als Leiter dre Ortsmusik Neudorf, bei der der schon vorher mitgespielt hatte, ebenso auch bei der Tanzkapelle Oehler. 1938 kam OSR Johann Kupka an die Schule Scheideldorf und musste bereits 1939 einrücken.

 Der erste öffentliche Auftritt der Musikkapelle Scheideldorf war im August 1948 aus Anlass der Lichtfeier in Weinpolz, man hatte in diesem Jahr bereits bei der Auferstehung und zu Fronleichnam gespielt. Auf das Spiel bei der Lichtfeier hatte sich der Musiker Ferstl besonders gefreut, er erkrankte kurz davor und einige Tage später gaben ihm seine Musikkameraden das letzte Geleite. Sein Nachfolger als Baßflügelhornist wurde Franz Mölzer, der gemeinsam mit seinem Bruder Leopold von Kapellmeister Maurer in Kirchberg ausgebildet wurde. Franz Mölzer wurde wenige Tage vor seinem 21. Geburtstag zu Grabe getragen.

Als 1953 die Bezirksarbeitsgemeinschaft Waldviertel des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes gegründet wurde, war die Musikkapelle Scheideldorf eine der ersten, die dazu beitrat. Zwei Jahrezehnte später, bis 1973, stand nun OSR Johann Kupka der Bezirksarbeitsgemeinschaft als Bezirkskapellmeister vor und hat sich dadurch um die Aufwärtsentwicklung der Blasmusik im Waldviertel verdient gemacht. Zuletzt war er noch beim Landesmusikfest 1972 Wertungsrichter bei der Marschmusikbewertung. Für seine Verdienste wurde der Bezirkskapellmeister mit der Silbernen Ehrenspange des Blasmusikverbandes ausgezeichnet, er ist auch Träger von Auszeichnungen für langjährige Treue zur Blasmusik.

Die Kapelle war inzwischen ein stattlicher Klangkörper geworden. Als OSR Hirnschall, Schulleiter von Weinpolz, als Spätheimkehrer 1949 in die Heimat zurückkehrte, stellte er sich sofort als Klarinettist zur Verfügung. Und natürlich wurden ständig neue Musiker herangebildet.

So ist es eigentlich selbstverständlich, dass es bei der ersten Teilnahme beim Konzertwertungsspiel in Waidhofen am 16. September 1956 einen schönen Erfolg gab, in der Mittelstufe konnte ein 1. Rang erreicht werden, gespielt wurde die Ouvertüre "Die beiden Savoyarden". OSR Kupka hatte inzwischen Kapellmeisterkurse besucht und die Kapellmeisterprüfung erfolgreich abgelegt. Zum ersten Wertungsspiel trat die Kapelle Scheideldorf bereits in Normalstimmung an, die Umstimmung war durch Unterstützung durch Landessubventionen erfolgt. Am 10. Juni 1957 gab es beim Wertungsspiel in Schrems einen 1. Rang mit Auszeichnung in der Mittelstufe mit "Bergheimat" von Sepp Tanzer und einen 1. Rang in der Mittelstufe wurde am 10. Mai 1969 beim Konzertwertungsspiel in Horn mit der Ouvertüre "Fanfarengrüße" erreicht. Natürlich nahm die Kapelle auch an Bezirksmusikfesten und am ersten großen Landesmusikfest in Krems teil.

Einiges zur Organisation der Kapelle. Die Instrumente haben die Musiker selbst erworben, bloß das Schlagwerk gehörte der Kapelle. Die Ausbildung erfolgte gratis durch Kapellmeister Kupka, der darüber hinaus auch sehr viele Musikstücke für die Besetzung seiner Kapelle umgeschrieben hat. Das Notenmaterial wurde seit der Gründung 1946 angeschafft, ältere Bestände scheinen nicht darin auf. Geprobt wird im alten Schulgebäude in Scheideldorf. Eine Trachtenuniform hat die Kapelle nciht, aus der berechtigten Überlegung heraus, dass eine bodenständige Tracht als Vorlage dafür fehlt. Aufgetreten wird mit weißen Hemden, scharzen Hosen, Schuhen und Krawatten und Musikerkappen.

Auch im Waldviertel übt OSR Kupka - neben seiner Kapellmeistertätigkeit bei der Blasmusik - in verschiedenster Weise Musik aus. Er ist seit 1959 in zwei Pfarren Organist und Kirchenchorleiter, in Scheideldorf und Schwarzenau. Zuletzt besteht seit 1950 die "Tanzkapelle Kupka". OSR Kupka wurde im Hinblick auf sein verdienstvolles musikalisches Wirken 1973 das "Silberne Ehrenzeichen" des Landes Niederösterreich verliehen.

Die Tanzkapelle erfreut sich bis heute eines guten Rufes und bespielt ein recht stattliches Gebit bis Gmünd, Zwettl - wo beim Sommerfest sehr erfolgreich gespielt wurde - Waidhofen, Raabs, Groß-Siegharts, gespielt wurd bei Bällen, Hochzeiten, Kirtagen.

Blasmusik und Tanzmusik sind oft miteinander verbunden. Bei Bällen wurde nur in den ersten Jahren in Blasmusikbesetzung gespielt. Bei Hochzeiten spielt die Blasmusik den Zug zur Kirche, dann setzt die Tanzkapelle fort. Am Kirtag bestreitet die Blasmusik Häuserspiel, Messumrahmungen und Platzkonzert, dann spielt die Tanzkapelle. Kirtage wurden in Scheideldorf, Weinpolz und Thaua gespielt, heute ist nur mehr der Kirtag in Weinpolz bedeutend. Daneben spielt die Kapelle Scheideldorf häufig bei Begräbnissen, vor allem in den Pfarren Scheideldorf und Schwarzenau. Natürlich werden sämtliche Festlichkeiten in Scheideldorf, Weinpolz und Georgenberg musikalisch umrahmt. An kirchlichen Anlässen sind Auferstehung, Erstkommunion, Fronleichnam und Allerheiligen anzuführen, wobei sowohl in Scheideldorf, wie auch in Schwarzenau gespielt wird. Zu Weihnachten ist in kleiner Besetzung Turmblasen in Scheideldorf üblich. Auch manchen Musikkameraden wurde das letzte Geleit gegeben. Der Schlagwerker Leopold Mölzer verstarb 1968 und etwa zwei Jahre später verschied wieder ein junger Musiker, Ernst Hochleitner, der ab dem 10. Lebensjahr als kleiner Trommler mitspielte.

So ist die Musikkapelle aus dem Leben der Gemeinde und Gemeinschaft nicht wegzudenken. Auch auswärtige Spiele gibt es immer wieder, etwa 1968 beim Bezirksjugendsingen in Zwettl und zuletzt wurde 1975 bei der Schloßvereinsgründung in Schwarzenau in kleiner Besetzung gespielt, für welchen Anlass Kapellmeister Kupka eine "Schlossfanfare" komponiert hat, übrigens nicht sein erstes Werk für Blasmusik.

In den letzten Jahren ist der Kirtag in Weinpolz abgekommen, dafür wurde 1976 erstmals in Scheideldorf ein Feuerwehrkirtag veranstaltet, auch 1977 fand dieses Fest statt. Im Jahre 1976 gab es vier Konzerte, 6 öffentliche Anlässe, 15 Ausrückungen für private Körperschaften, 8 kirchliche Feiern, 9 Leichenbegräbnisse und ein Ständchen. Damit wurde die stattliche Zahl von 42 Auftritten erreicht. Besondere Erwähnung verdient ein Frühschoppenkonzert aus Anlass des Feuerwehrfestes in Schwarzenau. Zwei besondere Festtage sind für 1977 erwähnenswert, man spielte beim 40jährigen Priesterjubiläum von Pfarrer GR Schneider sowie bei der Kriegerdenkmalsweihe, beides in Scheideldorf. Anzuführen ist noch, das Willi Wögerer und Karl Kanderer der Militärmusik Niederösterreich angehörten und Friedrich Hochleitner einige Zeit bei der Postmusik Wien mitspielte. Herbert Zarychka hat 1977 nach 3 Kursen erfolgreich die Kapellmeisterprüfung abgelegt. Derzeit stehen etliche Jungmusiker in Ausbildung, die von Kapellmeister OSR Kupka und Josef Hochleitner unterrichtet werden.

Die beiden letzten Jahre brachten neben den alljährlich widerkehrenden Ausrückungen etliche bemerkenswerte Spielanlässe. Bei den Kirtagen der Feuerwehr in Weinpolz und Scheideldorf wurde gespielt, 1979 stand eine Maikundgebung auf dem Programm. 1978 gab es ein doppeltes Jubiläum: die Musikkapelle feierte ihren dreißigjährigen Bestand -  in Scheideldorf wurden Gottesdienst, Totenehrung und Frühschoppenkonzert durchgeführt - und der hoochverdiente Kapellmeister Dir. Kupka feierte die Vollendung des 65. Lebensjahres, selbstverständlich durfte da ein Ständchen nicht fehlen. Anzuführen ist sicher, dass sich die Musikkapelle Scheideldorf völlig aus den Eigenleistungen ihrer Musiker erhält.

OSR Kupka ist noch ein echter Idealist und wahrer Kulturträger. Es ist im Interesse der Heimat und der Kulturpflege zu hoffen, dass diese Gesinnung in der jungen Lehrergeneration nicht ausstirbt.

 

Mitglieder der Musikkapelle Scheideldorf 1979

 

In Ausbildung

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